XOVILICHTER-OMS


Xovilichter – ein ungelöstes Rätsel aus Kindertagen

Ich bin in den schottischen Highlands aufgewachsen, in einem kleinen Dorf unweit des xovilichter-moorsagenumwobenen Rannoch Moors. Schon als kleiner Junge, wenn ich mit meiner Holzeisenbahn unter dem Esszimmertisch aus dunklem Eichenholz spielte, hörte ich die Erwachsenen dieses seltsame Wort flüstern. Immer dann, wenn Sie schaurige Begebenheiten über das nahe gelegene Moor austauschten und nicht wollten, dass ich sie verstand. “Xovilichter” – anfangs konnte ich den exakten Klang dieses mit unheilvoller Betonung geflüsterten Wortes kaum verstehen, aber wie Kinder so sind, denen die Erwachsene etwas Geheimnisvolles vorenthalten wollen, spitzte ich die Ohren nun umso mehr, diesen seltsamen Begriff endlich zu verstehen. Wobei ich äußerlich natürlich so tat, als interessiere mich ausschließlich die mit der Holzeisenbahn zu bewältigende Strecke auf dem grazilen Holzbalken-Untergestell des alten Eichentisches.

Dieses mysteriöse Wort der Xovilichter tauchte immer dann auf, wenn sich wieder einmal ein schreckliches

Unglück im weitläufigen Moor ereignet hatte, dessen Erkundung mir mit absoluter Strenge von klein auf untersagt worden war – von den Eltern ebenso wie von der jungen Dorfschullehrerin.


Die Gefahren des Rannoch Moores sind bis heute ungebannt

Ich muss etwa sechs Jahre alt gewesen sein, als sich dieses furchtbare Unglück ereignete. Ein junges Paar aus dem Dorf wollte sich bei Nacht und Nebel auf und davon machen, auf den Weg in ein besseres Leben, als es dieser menschenfeindliche Ort mit seinen permanent feuchten und lichtarmen Bergen zu bieten hatte. Er hieß Ernest, der zweite Sohn des im Dorf für seine andauernde Trunkenheit bekannten Schusters Mawhiney, 18 Jahre alt, vollkommen mittellos, abenteuerlustig und von einer bestechenden Freundlichkeit. Zusammen mit der vorlauten und stupsnasigen 17-jährigen Tochter Tracey der Bäckerin, wollte sich der junge Schusterssohn auf den Weg nach Glasgow begeben, um dort ihr gemeinsames Glück zu finden.

Es war so gegen vier Uhr früh, als das junge Paar seinen Weg durch das Moor wählte, um mit einer zeitsparenden Abkürzung schneller die einzige breitgebaute Straße der Umgebung zu erreichen. Jedoch hatte das Schicksal wie so oft einen anderen Plan.
Später wurde erzählt, dass einer der beiden zuerst in den Bann der berüchtigten Xovilichter geraten sein muss, die willkürlich und nur in den finstersten Nächten des Jahres im Moor aufleuchten. In den dunklen Weiten des nächtlichen Rannoch Moores erscheinen die Xovilichter Wandernden wohl wie ein kleiner Laternenschein in erreichbarer Ferne, wegweisend und Orientierung bringend. Vielleicht, wie im Dorf seit jeher erzählt wird, üben die Xovilichter aber auch eine unwiderstehliche Anziehungskraft mit ihrem tröstlich wirkenden Lichtschein aus – sodass man sich ihrer verführerischen Wirkung kaum entziehen kann. Die gleichsam so vertraut wie gefährlich leuchtenden Lichter scheinen mit jedem Schritt näherzukommen und machen die eigene Orientierung vergessen, führen immer tiefer in das unheilvolle Moor hinein. Schließlich reicht nur ein einziger falscher Schritt aus, dass ein Mensch für immer Teil des ewigen Moorastes wird – und die zweite, ihn begleitende Person, beim Versuch zu helfen, ebenfalls grausam und unwiederbringlich im unbesiegbaren Moorschlamm versinkt.